Interview mit Kay Schöbel – Buchhalter/Bilanzbuchhalter

Kay Schöbel

Buchhaltung, Steuern, Abgaben, Finanzen... Für Selbständige ist es ein Muss sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Dabei ist es unbedeutend, ob es sich bei dem Unternehmen mit mehreren hundert oder tausend Mitarbeitern oder um eine One-Man-Show handelt.

Sind  jedoch die grundlegenden Regeln bekannt und werden diese berücksichtigt, können auch kleine Unternehmen und Freelancer die ordentliche Administration ihres Geschäfts mit überschaubarem Aufwand betreiben und sich beruhigt auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren. 

Die Frage ist häufig nur "gewusst wie". Dieser Frage wird der DBITS e.V in seiner Workshopreihe "Organisation, Selbständigkeit, Administration, Finanzen - Theorie und Praxis", kurz OSAFT, auf den Grund gehen.

Kay Patrick Schöbel unterstützt den DBITS e.V. und seine Mitglieder in bei den Fragen Rund um dieses existenziell wichtige Thema. Sein Bereich umfasst dabei die Steuern und Finanzen, Lesen Sie hier unser Interview mit ihm. 

Kerstin Tammling - Kay, Du bist Buchhalter und Bilanzbuchhalter. Also kein Steuerberater. Kannst Du uns den Unterschied erklären?

Kay Schöbel - Der Steuerberater ist,  neben Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten, gesetzlich befugt Hilfe in steuerlichen Angelegenheiten zu leisten und u. a. Jahresabschlüsse/Bilanzen und Steuererklärungen zu erstellen. Anderen Personen(-gruppen) ist dies schlichtweg verboten.

Der Buchhalter setzt, bei nahezu gleicher Grundausbildung und ähnlicher Weiterbildung, etwas früher auf. Ich berate den Mandanten, u. a.  im operativen Geschäft in betriebswirtschaftlicher Hinsicht und erstelle mit ihm gemeinsam seine Finanz- und ggf. auch Lohnbuchhaltung. Sein Steuerberater wiederum zieht daraus die steuerrelevanten Schlüsse des Geschäftsjahres. Ich arbeite mit vielen Steuerberatern meiner Mandanten zusammen. Dieses „Vier-Augen-Prinzip“ hat sich bestens bewährt.

Kerstin Tammling - Gleichzeitig bist Du auch Dozent. Was genau unterrichtest Du? Wer belegt die Lehrgänge?

Kay Schöbel - In einem Fortbildungsinstitut für Physiotherapeuten bin ich der (für alle betriebswirtschaftlichen Dinge verantwortliche) BWL-Dozent und führe die entsprechenden Seminare auch selber durch.

Zu 90% wollen sich die erfolgreichen Teilnehmer nach ihrem Abschluss mit einer eigenen Praxis selbständig machen. Meine Aufgabe besteht darin, die Teilnehmer theoretisch auf Ihre Selbständigkeit vorzubereiten. Insbesondere die notwendige Sensibilisierung für betriebswirtschaftliche Themen und auch das Interesse, vor allem für steuerliche Themen sowie buchhalterische Ordnungsmäßigkeit, zu wecken, sehe ich als meine Hauptaufgabe an.

Des Weiteren stehe ich regelmäßig der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund für den Existenzgründerwettbewerb „start2grow“ als beratender Gutachter für Businesspläne der sich bewerbenden Unternehmensgründer zur Verfügung. Dafür begutachte ich im Schnitt zehn bis fünfzehn Businesspläne pro Jahr, gebe mein detailliertes Feedback und stehe auch für Rückfragen, Ergebniskorrekturen, aber auch, wenn gewünscht, was leider viel zu selten vorkommt, für manch eine sehr interessante Ergebnisdiskussion zur Verfügung. Ein von mir begutachteter Teilnehmer hat auch bereits den mit EUR 30.000,00 dotierten Wettbewerb gewonnen; sehr viele andere meiner begutachteten Teilnehmer haben sich in die prämierten Reihen der Top 10 gekämpft.

Kerstin Tammling - Kommt es auch vor, dass Du einem Lehrgangsteilnehmer oder Gründer empfiehlst, mit der Selbständigkeit noch etwas zu warten oder rätst Du u. U. auch ganz davon ab?

Kay Schöbel - Eindeutig: JA. Und das sogar öfters. Sehr häufig werden in Gründungsideen im Himmel Kühe gemolken, die allerdings auf der Erde lediglich Wasser geben – euphorische „Unternehmer in spe“ wieder in die Realität abzuholen, kann dann durchaus sehr schwierig sein und gestaltete sich auch schon manches Mal sehr tränenreich.  Aber seien wir ehrlich: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende… Und spätestens wenn den Gründern klar ist, dass sie mit ihrer Idee mittel- bis langfristig weniger als ein Auszubildender im ersten Lehrjahr verdienen und sie davon teilweise auch noch eine Familie ernähren müssen, sind sie für meine Denkanstöße regelmäßig sehr dankbar.

Kerstin Tammling - Was machst Du denn in solchen Fällen, in denen Du die Träume zerplatzen lässt?

Kay Schöbel - Es kommt immer sehr auf die einzelne Person an. Oftmals sind es Gründungsideen aus einem festen Anstellungsverhältnis heraus. Dann sollte man bei erkennbarem Potential natürlich versuchen erst einmal nebenbei, sozusagen im „Testmarkt“ ohne existentielle Risiken, etwas aufzubauen. Frische Uni-Absolventen können ebenso erst einmal Berufserfahrung im Angestelltenverhältnis sammeln und genauso nebenbei, evtl. mit Professorenbegleitung, oder aus dem Alumni-Kreis heraus, etwas nebenbei aufbauen. Schwieriger ist die Situation natürlich, wenn die Selbständigkeit zur letzten Chance und/oder Hoffnung wird. Dann muss man natürlich sehr genau planen, und dann darf auch keine Information fehlen oder gar verschwiegen werden. Ein wichtiges Stichwort ist hierbei auch immer wieder das Thema der Scheinselbständigkeit. (Anm. d. Red.: Scheinselbständigkeit wird auch ein Thema des DBITS-Workshop am 24.11.2018 in Frankfurt am Main sein)

Kerstin Tammling - Hast Du den Eindruck, dass unser Bildungssystem die jungen Menschen zu wenig auf das Leben vorbereitet?

Kay Schöbel - Absolut. Der junge Mensch wird, auch heutzutage noch, meiner Meinung nach mit viel zu viel allgemeiner theoretischer Bildung viel zu lange überhäuft, anstatt frühzeitiger in spezielle „Fach“-Richtungen begleitet auszubilden. Ich sehe regelmäßig erfolgreiche Abiturienten, die überhaupt keine Idee haben was sie machen wollen/sollen – es steht dann immer wieder lediglich das große Endziel „viel Gehalt“ ganz oben als einziger Punkt auf der Liste.

Kerstin Tammling - Du hast Dich bereit erklärt den DBITS e.V. und seine Mitglieder in Bezug auf Fragen zu Steuern und Abgaben zu unterstützen. Vielen Dank dafür! Was sind Deine Motive?

Kay Schöbel - Das mache ich sehr gerne, denn ich will immer in der gemeinsamen Arbeit und den Erfahrungsaustausch mit anderen sowohl meinen eigenen Horizont erweitern als auch dafür sorgen, dass wir alle wenigstens ein kleines Bisschen besser werden. Gerade im kaufmännischen/betriebswirtschaftlichen/steuerlichen Bereich ist Stillstand das Aus und so bin ich immer sehr daran interessiert viele verschiedene Wege zu sehen , wie auch Meinungen zu hören, um daraus eine eigene Essenz zu ziehen.

Hier setzt ja auch der DBITS auf, nämlich aus der starken Gemeinschaft heraus zu wachsen. Und seien wir wieder ehrlich: In jeder Gemeinschaft gibt es jemanden, der irgendetwas besser kann. Davon können wir alle nur profiteren, denn lernen können wir nur von Besseren